Es gibt zahlreiche Ratgeber für das richtige Auftreten im Vorstellungsgespräch. Einige davon sind unserer Meinung nach auch recht hilfreich. Wer nach Tipps fürs richtige Outfit oder nach Hinweisen auf die von uns Personalern gerne gestellten Fragen sucht, kann mit solch einer Lektüre also durchaus gut beraten sein. Uns geht es heute aber um etwas ganz anderes. Wir möchten jedoch darauf Hinweisen, dass das nun Folgende natürlich aus unserer subjektiven Sicht geschrieben wird! Dennoch haben Gespräche mit Kollegen gezeigt, dass auch sie das folgende Phänomen kennen.

Alle lesen den gleichen Bewerbungs-Ratgeber, also haben alle die gleichen Hobbys

Stell Dir vor, du wärst Mitarbeiter der Personalabteilung in einem Unternehmen und verantwortlich für die Rekrutierung von Personal. Nun sitzt Du da und führst viele, viele Vorstellungsgespräche. Dadurch lernst Du natürlich viele, viele Bewerber kennen lernen. In Spitzenzeiten lernst Du vier oder fünf Bewerber täglich kennen – und es scheint manchmal so, als ob jeder, wirklich jeder den gleichen Ratgeber gelesen hat!
Wie würdest Du Dich dann fühlen? Irgendwie verschaukelt, oder?

Weit und breit nur belastbare Teamplaner …

Was würdest Du denken, wenn Du auf jede Frage die mehr oder weniger gleiche, strategisch vorbereitete Antwort erhieltest?

Wenn die Hobbys, von denen die Bewerber Dir erzählen, stets so ausgewählt wären, dass sie auf Belastbarkeit, Teamfähigkeit und eine gute gesundheitliche Verfassung hinweisen würden? Und zwar auch dann, wenn sie sie hauptsächlich aus dem Fernsehen und von ihren eigenen guten Vorsätzen an Sylvester kennen?

Wir fragen uns manchmal, ob all die Hobbyfotografen, Kinofans, Hobbyköche oder Briefmarkensammler, die es angeblich gibt, nur eine Erfindung bzw. reines Wunschdenken der Foto- und Filmbranche, der Kochbuchverlage und der Post sind.
Wir jedenfalls lernen in Vorstellungsgesprächen ausschließlich Marathonläufer, Teamsportler, Jogger und vielleicht noch Yogapraktizierende kennen 😉

Was ist, wenn Du den Job bekommst?!

Liebe Bewerber, bitte vergesst bei aller Optimierung zur besseren Präsentation Eurer Persönlichkeit in Vorstellungsgesprächen eines nicht: Es könnte tatsächlich funktionieren und Ihr könntet die Stelle bekommen!

Und dann ist eines ganz sicher – es gibt den Moment der Wahrheit!

  • Ein gesundheitsbewusster Marathonläufer, der jede Stunde an die Luft muss, um eine Zigarette zu qualmen?
  • Ein Teamsportler, der im Meeting niemanden zu Wort kommen lässt und grundsätzlich keine andere Meinung akzeptiert?
  • Ein Yogameister, der bei der kleinsten Kleinigkeit aus der Haut fährt und regelmäßig hysterisch schreiend über die Gänge läuft?

Das passt nicht so richtig zusammen, oder?

Lieber ein echtes Hobby mit Überzeugung präsentieren

Ein ernst gemeinter Tipp an alle Bewerbungswilligen: Präsentiert Euch gut, bereitet Euch vor, lest auch einen guten Bewerbungsratgeber – aber bitte bleibt  authentisch! Bleibt trotz aller Optimierung immer Ihr selbst!

Ein eher unsportliches Hobby, welches dennoch positives Interesse wecken kann und mit Begeisterung ausgeübt und präsentiert wird, kann am Ende mehr überzeugen als ein übliches Vorzeige-Hobby, über welches ohne jede innere Beteiligung berichtet wird. Man kann schließlich nicht viel über ausgeschüttete Endorphine nach einem vollendeten Marathonlauf berichten, wenn die weiteste Strecke, die man zu Fuss zurück legt, in Wahrheit die von der Couch bis zum Auto ist.

Letzten Endes geht es um Glaubwürdigkeit, aber auch darum, Interesse zu erzeugen. Einem passionierten Hobby-Bildhauer ist sicherlich mehr Aufmerksamkeit sicher als dem zwanzigsten Bewerber, der sein Vorzeige-Hobby mit einem Gähnen präsentiert.

Hinweis:
Aus Gründern der besseren Lesbarkeit verwenden wir hier im Blog die männliche Form von Bewerber, Arbeitnehmer, Mitarbeiter, etc. – selbstverständlich meinen wir damit aber jederzeit beide Geschlechter.