Ein gut und übersichtlich geschriebener Lebenslauf ist im Regelfall die Voraussetzung für eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Manch ein Bewerber denkt nun leider, damit sei es getan, schließlich hat der Gesprächspartner den Lebenslauf ja vorliegen und kann seine Fragen dazu stellen.

So einfach ist es aber nicht.

Du musst Deinen Lebenslauf in- und auswendig kennen

Den eigenen Lebenslauf anschaulich und mit eigenen Worten präsentieren zu können, gehört zu den grundlegenden Tugenden, die von einem Bewerber erwartet werden. Wer nun die einzelnen Stationen seiner Vita ablesen muss und sich bei den zugehörigen Zeiträumen unsicher ist, hat schon fast verloren – vom kurzfristigen Projektgeschäft vielleicht einmal abgesehen. Denn wer so etwas Persönliches wie die eigene Vita nicht auswendig kennt, der handelt sich direkt einen fetten Minuspunkt ein. Dieses Grundgerüst sollte also das Erste sein, was man sich als Vorbereitung für sein Vorstellungsgespräch einprägt – vorwärts und rückwärts, rauf und runter.

Den Lebenslauf mit Leben füllen

Soweit die Pflicht – es folgt die Kür. Es gilt dabei, den Buchstaben auf Papier Leben einzuhauchen, Farben zu verleihen und dem Gesprächspartner einen unmissverständlichen Einblick in das bisherige Berufsleben zu gewähren.

Dabei unterliegen sehr viele Bewerber der Fehleinschätzung, der Titel der bisherigen Positionen sage genug aus – man war halt Finanzbuchhalter, ist doch eindeutig.
Aber ist das so?
Nein. Es geht daraus noch nicht hervor, ob man z. B. in erster Linie nach HGB oder auch nach IFRS gearbeitet hat, und nicht jeder Finanzbuchhalter wirkt auch immer bei der Erstellung der Jahresabschlüsse mit. Manch einer erledigt die Lohnbuchhaltung gleich mit, wieder ein anderer erstellt gleich komplett die ganze Bilanz.
Es kommt sehr darauf an, aus welcher Art von Unternehmen man kommt – Konzern oder inhabergeführter Mittelstand?
National oder international?

Schon an diesem eher kleinen Beispiel erkennt man, dass dem Gesprächspartner noch lange nicht klar ist, was genau man gemacht hat, nur weil er den Stellentitel kennt.

Aus einem sorgfältig geschriebenen Lebenslauf geht so etwas natürlich schon hervor. Dennoch solltest Du es auch mit eigenen Worten wiedergeben können.

Wenn Du das Ganze nun noch mit kleinen Beispielen aus dem Alltag ergänzen kannst, die Deine Praxis widerspiegeln, bist du auf dem richtigen Weg. Überlege Dir also im Vorfeld genau, welche Anekdoten sich besonders gut eignen, um Deinen persönlichen Berufsalltag zu demonstrieren.

Ein typischer Tag in Deinem Job

Gut geeignet als vorbereitende Übung ist, einmal einen typischen Tag in Deinem Berufsleben zu schildern – und jeden Handschlag dabei zu berücksichtigen. Dabei wird einem oftmals auf einmal klar, wie vielfältig eigentlich die eigenen Aufgaben sind. So ausführlich musst Du im Vorstellungsgespräch ja dann nicht werden, aber auf diese Weise erarbeitest Du Dir schnell einige Beispiele und hast genügend Stoff für ein paar anschauliche Geschichten.

Gedankentrick: Dein Gegenüber hat keine Ahnung

Eine weitere hilfreiche Übung ist, sich vorzustellen, Du müsstest Deinen Job jemandem schildern, der überhaupt kein fachspezifisches Wissen über die einzelnen Tätigkeiten Deines Jobs hat.

Das kann auch nützlich sein, wenn Du ein Vorstellungsgespräch in einem Unternehmen hast, in dem die Bewerber in der ersten Runde immer erst einmal mit Personalern, nicht aber mit Vertretern des jeweiligen Fachbereichs zusammentreffen.
Natürlich haben sich die Personaler im Regelfall ein solides Wissen über alle Fachbereiche hinweg erarbeitet, die für das jeweilige Unternehmen relevant sind. Dennoch müssen sie oft gerade in größeren Unternehmen eine solche Bandbreite an verschiedenen Positionen besetzen, dass sie manchmal einfach nicht alle Einzelheiten über jedes einzelne Tätigkeitsprofil eines jeden Berufs wissen können.

Da kann es nicht schaden, einen allgemeinverständlichen Überblick zu bieten, der den Personalern genug Ansatzpunkte liefert, um nachzuhaken, sich so ein umfassendes Bild von Dir zu machen und dieses an die jeweiligen Fachbereiche auch weiter zu transportieren. Wenn Du dann erst einmal auf Vertreter des Fachbereichs triffst, kannst Du natürlich auch einmal ein wenig fachsimpeln – aber bitte auch hier nicht übertreiben.

Geschichten auf die Stellenbeschreibung anpassen

Wichtig ist dabei, die Perspektive zu wechseln und nicht davon auszugehen, dass nur, weil einem selbst klar ist, was man macht, es auch allen anderen klar sein muss.

Wenn man es geschickt anfängt, hat man so die Chance, auch einige Erfolge einfließen zu lassen und damit ein wenig zu glänzen – natürlich immer in Maßen und strategisch geschickt platziert. Wer einen Erfolg an den anderen reiht, wirkt schnell geltungssüchtig.

Gehe einfach mit dem Ziel an die Sache heran, anderen klar zu übermitteln, was Du bisher gemacht hast und warum das besonders gut zu der zu besetzenden Stelle passt. Stimme die Praxisbeispiele auf Faktoren ab, die für den Job, um den es geht, wichtig sind. So etwas kannst Du im Vorfeld ja bereits aus der Stellenanzeige ableiten.

Und noch ein Tip zum Abschluss: Probe das Ganze! Du kannst dies ganz allein für Dich machen, aber Du solltest „Deinen Text“ laut formulieren. Du bekommst so ein gutes Gefühl dafür, was umständlich klingt oder was sich besonders flüssig erklären lässt.

Hinweis:
Aus Gründern der besseren Lesbarkeit verwenden wir hier im Blog die männliche Form von Bewerber, Arbeitnehmer, Mitarbeiter, etc. – selbstverständlich meinen wir damit aber jederzeit beide Geschlechter.