Aus Gründern der besseren Lesbarkeit verwenden wir hier im Blog die männliche Form von Bewerber, Arbeitnehmer, Mitarbeiter,  für Stellentitel, etc. – selbstverständlich meinen wir damit aber jederzeit beide Geschlechter.

Seit jeher ist die richtige Berufswahl eines der Hauptthemen, die im Zusammenhang mit Studium, Ausbildung, Karriere und Jobs diskutiert wird. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dabei auch ganz besonders persönliche Neigungen und Einstellungen zu berücksichtigen.

Wenn es gelingt, fachliche Eignung und persönliche Neigung miteinander in Einklang zu bringen, kann aus dem gewählten Beruf schnell Berufung werden.

Ich möchte dies heute einmal ganz praktisch erläutern und einmal darüber schreiben, welche Erfahrungen ich als Personalerin gemacht habe.

Ich entschied mich für den Personalbereich, dabei war das am Anfang gar nicht so klar. Als ich mein BWL-Studium begann, wollte ich mich eigentlich auf Marketing spezialisieren. Aber es kam anders. Heute bin ich sehr froh darüber. Denn obwohl ich heute letztendlich doch im Marketing gelandet bin, möchte ich die Zeit im Personalbereich nicht missen. Während meines Hauptstudiums konzentrierte ich mich daher auf Personalmanagement und Aus- bzw. Weiterbildung. 

Nach meinem Studium fand ich sehr schnell eine Stelle bei einem Personaldienstleister – interessanterweise genau bei dem, dessen Blog Du hier gerade liest. Ich hatte wirklich Glück. Mir ist bewusst, dass es in dieser Branche einige schwarze Schafe gibt und für die Medien ist jeder negative Vorfall ein regelrechtes Festessen, welches sie auf dem Rücken der Branche zubereiten.

Die CEP Gruppe jedoch legte stets viel Wert darauf, jeden Bewerber ernst zu nehmen, ihn als Menschen wahrzunehmen und ihn bestmöglich zu beraten. Das gab mir viel Spielraum, mich auf die Bewerber einzulassen und es bescherte mir einige großartige Momente.

Wenn ein Mensch vor mir saß, der ein wenig die Orientierung auf seinem Weg durch die berufliche Landkarte verloren hatte, war es mir ein wirklich dringendes, inneres Anliegen, ihm bei der Suche nach einem neuen Weg zu helfen. Finden musste er ihn selbstverständlich immer selbst, aber ich konnte ihm oftmals zumindest ein paar Umwege ersparen.

Bewerbungsgespräche – menschlich, authentisch, lehrreich

Ich denke, manch ein Bewerber spürte meine innere Anteilnahme.

  • Es kam vor, dass man mir ungefragt Einsichten gewährte und Schicksale offenbarte, die man fremden Personen eigentlich nicht mal eben so offen legt.
  • Es gab Bewerber, die in Tränen ausbrachen. Nicht wegen ihrer Jobsituation, sondern wegen persönlicher Umstände und Erfahrungen.
  • Manchmal erfuhr ich Haarsträubendes.
  • Es kam vor, dass mir meine eigenen Probleme dabei manchmal ganz klein und winzig erschienen.
  • Und das ein oder andere Mal erwischte ich mich dabei, wie ich einen dicken Kloß im Hals verspürte und mich sehr zusammen nehmen musste, um meine Fassung zu wahren.

Aber es gab natürlich auch die unzähligen lichten, die heiteren, die entspannten Gespräche, die so wohltuend waren wie Gespräche zwischen alten, humorvollen Freunden.

Ich glaube, genau das ist es, was mich letztendlich immer wieder fasziniert hat – einen Menschen, den man nie zuvor gesehen hat, innerhalb von 60 Minuten zu öffnen – und sich ihm wiederum selbst zu öffnen.

Selbstverständlich war ich Beraterin und der jeweilige Bewerber mit seinem Jobwunsch stand im Mittelpunkt. Dennoch gab es bei fast jedem Gespräch auch einen Aspekt, aus dem ich etwas für mich selbst lernen konnte.

Manch ein Bewerber hat mich wahrhafte Demut gelehrt – Menschen, die sich gegen ihr noch so widriges Schicksal stellten, sich selbst an den Haaren aus dem Dreck zogen und wirklich etwas aus sich machten – sowohl in beruflicher als auch in persönlicher Hinsicht.

Anerkennung ist der schönste Lohn

Wieder andere haben mir auf wunderbare Art gezeigt, dass sie das, was ich tat, respektierten.
Ich kann mich an einen Herrn erinnern, der voller Vorurteile gegen Personaldienstleister war und mich dies direkt zu Anfang des Gesprächs auch unmissverständlich wissen ließ.
Ich nahm die Herausforderung an. Am Ende des Gesprächs bedankte er sich bei mir und sagte, dass ich ihm seine Bedenken gründlich ausgetrieben hätte. Er meldete sich danach in regelmäßigen Abständen immer wieder telefonisch, auch nachdem er längst wieder einen Job gefunden hatte und er erzählte mir von den Erfahrungen in der Weiterbildung, die ich ihm empfohlen hatte oder von seinen neuen Arbeitskollegen.

Und dann gab es wiederum die Bewerber, die nach langer Zeit des beruflichen Kampfes durch unsere Hilfe zu ihrem Traumjob fanden – die strahlenden Gesichter, die überschwängliche Freude waren einfach unbezahlbar. Nicht selten kamen sie mit Kuchen und Blumen vorbei und gemeinsam feierten wir den Erfolg.

Es war großartig – jedenfalls für mich – Menschen emotional zu berühren, Blockaden zu brechen, Freude zu schenken.

Wissen, wofür man es tut

Ich kann mich sehr gut an ein Persönlichkeitstraining erinnern, welches ich bei einem ganz hervorragenden Trainer absolvieren durfte. Ich war gemeinsam mit meinem damaligen Chef dort und wir erhielten ein Training, welches sehr psychologisch, sehr anspruchsvoll, teilweise sehr entlarvend aber gleichzeitig einfach wunderbar war.

Irgendwann sprang mein Chef plötzlich auf, mit vor Aufregung weit geöffneten und hell leuchtenden Augen. Irgendetwas in dem Training hatte etwas in ihm ausgelöst, eine scheinbar lange unbeantwortet gebliebene Frage zu einer Antwort geführt.
Ich weiß nicht, was es war, aber er sprang auf, griff zu seinem Smartphone und leitete ein paar für ihn wichtige und bahnbrechende Dinge in die Wege. Ich blickte zu unserem Trainer und fragte: “Das ist es oder? Dafür tust Du es…?“. Er nickte.

Ich konnte ihn genau verstehen. Wer schon einmal daran beteiligt war, dass ein Mensch nach langer Zeit im Dunkeln endlich ein Licht in sich findet, wird verstehen, was ich meine.

Berufung finden

Ich  bin keine Wunderheilerin, keine nobelpreisverdächtige Wissenschaftlerin, keine bedeutende Ärztin.
Ich werde wohl nie eine größere Innovation hervorbringen oder eine bahnbrechende Erfindung machen.

Aber vielleicht muss ich das gar nicht. Vielleicht reicht es mir, einfach nur zu lieben, was ich tue. Ich glaube, ich habe das große Glück, tatsächlich meine Berufung gefunden zu haben. Und auch, wenn ich nebenher natürlich immer mal wieder neue Dinge ausprobiere, weil ich einfach ein wissbegieriger Mensch bin und meine persönliche Komfortzone ganz gerne erweitere, weiß ich letztendlich sehr genau, wohin ich gehöre.
Und das fühlt sich wirklich gut an.
Und am Ende hat sich dann auch der anfängliche Konflikt zwischen Marketing und Personalbereich geklärt: Was ist eines der meiner Meinung nach spannendsten Themen in der Personalarbeit? Eben, Employer Branding, Personalmarketing und Personal Branding. Und so hat sich Kreis geschlossen.

Es gibt immer einen Weg. Auch für Dich. Finde Ihn.